Eine Witwe begegnet dem Evangelium

23 Jan

Predigt zu Lukas 7,11-17.

Das Evangelium ist die Botschaft davon, dass Christus den Tod überwunden hat und Menschen aus der Herrschaft des Todes ins Leben ruft.

Zum Nachdenken

  • Wie denkst du über Leben und Tod?
  • Wonach sehnst du dich? Warum werden deine Sehnsüchte nicht gestillt?
  • Inwiefern hat Christus und das, was er sagt, etwas mit deinen Sehnsüchten zu tun?

Das Elend des Todes

Nachdem ein Knecht durch ein blosses Wort gesund geworden ist, zieht Jesus mit einer Menschenmenge weiter. Sie waren offensichtlich so begeistert von diesem Mann, dass sie noch mehr von ihm sehen und hören wollten. Gemeinsam mit ihm reisten sie in den Süden von Galiläa und kamen zu einer Stadt mit Namen Nain. Vor der Stadt begegneten sie einem Trauerzug. Die Trauer, der sie hier begegneten war besonders gross. Zu Grabe wurde der einzige Sohn einer Witwe getragen. Die Frau hatte alles verloren, was sie in diesem Leben hatte. Nach dem Tod ihres Mannes war ihr Sohn ihr einziger Trost und mittlerweile, wo er nicht mehr so klein war, auch ihre einzige Hilfe. Die trauernde Witwe wusste nicht, was aus ihr werden sollte, jetzt, wo sie niemanden mehr hatte, der für sie sorgen konnte. An dieser Witwe wird klar, dass der Tod nicht nur das Ende des Lebens bestimmt, sondern seine Spuren schon mitten in unserem Leben hinterlässt. Es scheint so, als hätte diese Frau mitten in ihrem Dasein, ihr Leben bereits verloren.

Üblicherweise denken wir nicht an den Tod, sondern geniessen das Leben. Der Tod ist etwas, was weit weg von uns in der Zukunft auf uns wartet. Wir wissen wohl, dass wir alle einmal sterben müssen und sagen, dass zum Leben gehört. Genau genommen, kann das allerdings nicht stimmen. Der Tod gehört so wenig zum Leben wie Schwarz zu Weiss, Dunkelheit zu Licht, oder Frost zur Hitze. Alle diese Dinge sind Gegensätze. Wenn wir sagen, dass Leben und Tod zusammengehören, dann denken wir wohl weder schwarz noch weiss, sondern grau. Wir haben weder eine genaue Vorstellung vom Leben, noch vom Tod und uns offenbar damit abgefunden, dass das Weiss nicht mehr so rein ist, das Licht trübe geworden und wir bloss noch ein lauwarmes Leben fristen. Die Autoren der Bibel beschreiben das Leben so hell, wie kein Mensch es geniessen kann und den Tod so grausam, wie wir ihn nicht zu denken wagen. Das Leben wird als ein Dasein ohne Furcht und Schrecken, ohne Angst und Schmerz, ohne Mühe und Schweiss gesehen. Es ist ein Zustand der Freude und der Fülle, ein Zustand, indem dem Menschen nichts fehlt und wo niemand jemals bedrückt ist. Es ist auch ein Zustand der Erkenntnis. Der Mensch weiss wer er ist und wer ihn gemacht hat. Darum bleibt keine Frage, woher Menschen kommen und was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Wer lebt, hat die Klarheit des Lebens und freut sich daran. Auf den ersten Seiten der Bibel erfahren wir, dass Gott den Menschen geschaffen hat und ihn im Paradies ein solches Leben geniessen liess. Nachdem der Mensch sich aber gegen Gott wandte, selbst so werden wollte wie sein Schöpfer, konnte er nicht am Ort der Fülle bleiben. Das heisst, dass er die Quelle des Lebens, die Quelle seiner Freude, die Quelle seiner Kraft und die Quelle der Klarheit verlassen musste. Auf sich selbst gestellt trat er in die Wüste des Todes, wo alles fehlt, was ihm Gott einst gab. An diesem Ort verliert er sein Leben, das sein Schöpfer ihm gegeben hatte und er geht langsam unter Mühe und Not zu Grunde. Das ist der Tod. Alles, was gegen das Leben, gegen die Freude und gegen den Frieden ist, kommt daher, dass der Mensch sich von Gott, der Quelle seines Lebens abgewandt hat. Darum leben wir hier auf Erden nicht in der Fülle und in ständiger Freude. Darum wissen wir nicht so genau, was wir mit unserem Dasein anfangen sollen. Darum ist jeder Streit, jeder Schweisstropfen, jede Unsicherheit, jede Grenze, die wir nicht überwinden können, ja, sogar jede Blume die welkt und vergeht, ein Zeichen dafür, dass bereits unser irdisches Dasein vom Tod geprägt ist.

Tief in uns schlummert allerdings eine Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht nach Frieden, die Sehnsucht immer mit allem versorgt zu sein, die Sehnsucht das Schöne und Gute bewahren zu können und die Sehnsucht zu wissen, welchen Sinn unser Dasein hat. Gerade diese Sehnsucht ist ein Zeichen, dass uns etwas fehlt. Niemand kriegt in seinen eigenen vier Wänden Heimweh, sondern bloss, wenn in der Fremde ist, wo man sich nicht auskennt und nicht weiss, was mit einem geschehen wird. So sitzen wir auf dieser Erde, mitten im Leben und sind doch irgendwie in der Fremde, weit weg von dem, was uns glücklich macht und weit weg von einem Ort, wo unsere Seele zur Ruhe kommen kann. Weiterlesen →

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